CEOs werden als Führungskräfte inklusiver werden müssen – oder gehen.
Die neue Generation von Arbeitnehmern erwartet einen ganz anderen Führungsstil und hat inzwischen eine kritische Menge erreicht, sodass ihre Meinung in den Unternehmen auch gehört wird. „Die Führungskräfte, die bisher an der Spitze standen, waren eher vom Typ ‘entweder mein Weg oder kein Weg’. Doch genau diese Einstellung funktioniert in dieser Umgebung nicht“, sagt Carla Harris, Vice Chairman and Managing Director bei Morgan Stanley, einem US-Finanzinstitut. „Ich schätze, mehr Führungskräfte werden Möglichkeiten der Leadership-Entwicklung oder Anleitungen zur richtigen Mitarbeiterführung suchen, die ihnen erklären, wie sie kooperativer werden, Innovation fördern und Mitarbeitern vermitteln, wie Sie mit Misserfolgen umgehen und innovativ denken. Für Speaker und Ressourcen zu diesem Thema wird künftig wahrscheinlich deutlich mehr Geld ausgegeben.“ Führungskräfte, die nicht mitziehen und sich anpassen, werden die Folgen spüren und letztendlich überflüssig werden, warnt sie – wenn auch nicht sofort, sondern nach und nach.

Personaler verlieren an Bedeutung.
Knapp 60 Prozent der Personaler wollen die Unterlagen von Job-Interessenten am liebsten per E-Mail erhalten, wie eine Befragung unter HR-Managern durch den Branchenverband Bitkom zeigt. Vielerorts wird da schon der Tod von Anschreiben, Lebenslauf und Bewerbungsgespräch vorhergesagt. Rechtsanwältin Birgitta Wallmann glaubt, dass die Automatisierung von Personalentscheidungen noch weiter fortschreiten wird: Künftig könnten Bewerberinterviews von einem Chatbot, also einem textbasierten Dialogsystem, besser und neutraler übernommen werden, glaubt sie, so dass durch automatisierte Tests die Vergleichbarkeit sichergestellt werden könnte. “Nur das Auswahlverfahren bliebe beim Menschen.”

Die Gesellschaft lernt, mit Daten umzugehen.
Für Künstliche Intelligenz und Machine Learning werden Daten wichtiger denn je. Frank Riemensperger, Vorsitzender der Geschäftsführung von Accenture DACH, ist „gespannt, wie wir als deutsche und europäische Gesellschaft einen Weg finden, mit Daten umzugehen, diese zu sammeln, auszuwerten und in neuen Technologien einzusetzen”. Die Nutzung von Daten werde die Grundlage für den künftigen wirtschaftlichen Erfolg im B-to-B Bereich. „Ohne Daten als Treibstoff kann unsere Wirtschaft sich künftig nicht mehr voll entfalten”, sagt Riemensperger. „Wir brauchen nicht nur Bedenken – sondern vielmehr Akzeptanz für neues Denken und neue Lösungen.” Ein wichtiger Teil dieser Debatte ist die digitale Souveränität. „Wie können wir Datenschutz nicht als lästige Pflicht, sondern als Kernaufgabe verstehen, um neue digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln?”, fragt Stefan Fritz, Senior Vice President bei Cancom. „Und wie können wir Verbraucher den Schutz unserer Daten von allen Unternehmen fordern und endlich damit aufhören, lieber mit ein paar persönlichen Daten zu bezahlen, als Geld für einen digitalen Dienst auszugeben? Schaffen wir es endlich als Konsumenten, die ‘Geiz ist Geil’-Mentalität der frühen 2000er Jahre für ein nachhaltiges digitales Leben hinter uns zu lassen?”

Künstliche Intelligenz braucht Ethik.
„Was darf Technologie, was nicht? Wen soll das selbstfahrende Auto im Extremfall eher überfahren: eine Gruppe von Rentnerinnen oder ein Kind? Was soll die digitale Assistentin auf Hass und Sexismus antworten?

Ich hoffe, dass die Welt 2019 mehr über Ethik und künstliche Intelligenz nachdenkt. Es besteht die Gefahr, dass uralte Stereotypen in die neuen Geräte einziehen und sie allenfalls noch verstärken. Gefüttert mit historischen Daten stellen Algorithmen lieber Männer an, da die Top-Bewerber früher zumeist männlich waren. Gefüttert mit falschen Daten schätzen Algorithmen schwarze Männer automatisch als gefährlicher ein.

Technisch wäre mehr Verantwortung und Zivilcourage in künstlicher Intelligenz bereits möglich. Warum setzen die digitalen Assistentinnen und Chat-Bots Hass nichts entgegen? Warum lassen sie sich beschimpfen? Warum antworten sie nicht im Minimum mit der goldenen Regel der Ethik? Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem andern zu.

Wir Journalisten werden künftig vor allem Algorithmen hinterfragen müssen. Sie machen Fehler. Sie treffen falsche Entscheidungen. Sie sind unfair. Wie Menschen auch. Nur – Maschinen übernehmen immer mehr Entscheidungen, können dafür aber nicht belangt werden. Die Ethik von Künstlicher Intelligenz wird zum zentralen Zukunftsthema.”

Platz da, Millennials! Jetzt kommt die Generation Z!
2019 wird die Generation Z die Millennials – also die Generation, an der wir das vergangene Jahrzehnt herumgekrittelt haben – zahlenmäßig überholen. „Die Generation Z strömt jetzt in signifikanten Zahlen auf den Arbeitsmarkt und zum ersten Mal in der neueren Geschichte werden fünf Generationen Seite an Seite arbeiten”, sagt Michael Dell, CEO und Vorstandsvorsitzender von Dell Technologies. Die Gen Z – die laut der Definition des Pew Research Centers all diejenigen umfasst, die nach 1997 geboren sind – stellt etwa ein Drittel der Weltbevölkerung und ein Fünftel der arbeitenden Bevölkerung. Die Arbeitsmoral dieser neuen Generation? „Nach meiner Erfahrung sind sie sehr engagiert und knien sich richtig rein“, sagt Bestseller-Autorin Brené Brown. Etwa die Hälfte ihrer Mitarbeiter sind Vertreter der Generation Z. „Sie sind alle ganz unterschiedlich, aber insgesamt erlebe ich sie als aufgeschlossen und neugierig.

Ein digitaler Thinktank soll Bildungspolitik verändern.
Bund und Länder ringen derzeit um die Frage, wer die Hoheit über Bildung hat: Die Bundesregierung will Schulen mit fünf Milliarden Euro für Digitaltechnik ausstatten, die Länder wollen sich nicht in die Bildungspolitik hineinreden lassen. „Um die digitale Bildung sowie einen kompetenten und sinnvollen Einsatz digitaler Mittel in unseren Schulen voranzutreiben, braucht es eine Institution, die entsprechende Kompetenzen vermittelt und Konzepte bereitstellt, auf die jede Schule, jeder Lehrer jederzeit bundesweit zugreifen kann”, fordert Daniel Bialecki, Geschäftsführer des Lern-Startups Scoyo. Der Bund sollte nach Meinung von Bialecki einen Thinktank für Bildung gründen, „bestehend aus Pädagogen, Wissenschaftlern und Experten der Digital- und EdTech-Branche, die wirtschaftlich und politisch unabhängig agieren können”. Gemeinsam würden sie eine zentrale Plattform schaffen, die nicht nur entsprechende Materialien bereitstellt, sondern auch schnell auf die Anforderungen von Schulen und Lehrern reagieren kann.

In Büros wird gähnende Leere herrschen.
„Weil die Städte immer voller werden und Mieten und Immobilienpreise stetig ansteigen, werden Arbeitnehmer mehr zahlen müssen, damit sich ihre Mitarbeiter das Leben in der Stadt leisten können. Manche Unternehmen werden Büros in kleineren Orten eröffnen; mehr Unternehmen werden dazu übergehen, ihre Mitarbeiter von zu Hause arbeiten zu lassen. Die Grundidee des Büros wurde bereits vor Jahren geschwächt, mit unsäglichen offenen Bürolandschaften, in denen zahllose Menschen mit Kopfhörern sitzen, sich mit Nachrichten bombardieren und eigentlich nur gleichzeitig, aber nicht zusammen arbeiten. Und jetzt werden Slack, Github, Jira und andere Tools für virtuelle Teams von Arbeitskräften aller Couleur kooptiert.

Dieser graduelle Prozess wird 2019 seinen kritischen Punkt erreichen: Das Büro wird sich leeren. Die Arbeit im Homeoffice wird den grundlegenden Rhythmus des industriellen Lebens verändern. Die Menschen werden mehr Zeit zum Arbeiten haben, aber auch mehr für Freizeit. Dabei verlieren wir Teeküchen und Pausenräume, die neben dem Schuleingang und der Kirche ein Ort für uns waren, um uns mit neuen Menschen zu vernetzen. In einer immer stärker weltlich geprägten Gesellschaft gehörten Büros zu den letzten Orten, die uns ein Gemeinschaftsgefühl und einen Sinn vermittelten. Deshalb finde ich es schade, sie verschwinden zu sehen.”

Die Weichen werden für mehr Neurodiversität gestellt.
Unter Neurodiversität versteht man die Inklusion aller kognitiven Fähigkeiten und Muster – von ADHS über Dyslexie bis hin zu Autismus. Der kulturelle und wissenschaftliche Wandel der 1990er-Jahre hat dazu beigetragen, dass Neurodiversität am Arbeitsplatz mittlerweile keine Ausnahme mehr ist. Was früher noch als behandlungswürdige Krankheit galt, wird heute als Unterschied wahrgenommen, den die Gesellschaft schätzen sollte. „Jetzt tritt eine ganze Generation von Leuten, die sehr viel strenger diagnostiziert wurden, ins Berufsleben ein“, erklärt Ed Thompson, der Gründer der Organisation Uptimize, die Unternehmen dabei unterstützt, neurodiverse Mitarbeiter zu gewinnen, einzustellen und langfristig im Unternehmen zu halten. Hinzu kommt ein „chronischer Wettbewerb um die besten Talente“, der dazu führt, dass Personaler über ihren eigenen Tellerrand hinausschauen, sodass Neurodiversität eine Kategorie für Diversity und Inklusion am Arbeitsplatz wird, „über die viele Leute so reden, wie es selbst vor einem Jahr noch nicht der Fall war”.

Quelle: https://www.linkedin.com/pulse/30-big-ideas-f%C3%BCr-2019-%C3%BCber-diese-trends-werden-wir-n%C3%A4chstes-schulz/?trk=eml-mktg-big-ideas-2019